Bewertungen und Beurteilungen

Wie eine Leistung bewertet, beurteilt und benotet wird, kennen wir aus der Schule.

Zahl Note Punkte Beschreibung
1 sehr gut 15–13 wenn die Leistung den Anforderungen in besonderem Maße entspricht.
2 gut 12–10 wenn die Leistung den Anforderungen voll entspricht.
3 befriedigend 09–7 wenn die Leistung im Allgemeinen den Anforderungen entspricht.
4 ausreichend 06–4 wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht.
5 mangelhaft 03–1 wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht, jedoch erkennen lässt, dass die notwendigen Grundkenntnisse vorhanden sind und die Mängel in absehbarer Zeit behoben werden können.
6 ungenügend 00 wenn die Leistung den Anforderungen nicht entspricht und selbst die Grundkenntnisse so lückenhaft sind, dass die Mängel in absehbarer Zeit nicht behoben werden können.

Eine Arbeit wird auch bei nicht erbrachter Leistung mit ungenügend benotet.

Tabelle von Wikipedia

Weitere schulische Benotungssysteme können auch dort verfolgt werden, bis hin zu den an Berufskollegs gebräuchlichen Leistungstabellen:

100 % bis einschl. 92 % = Note 1
unter 92 % bis einschl. 81 % = Note 2
unter 81 % bis einschl. 67 % = Note 3
unter 67 % bis einschl. 50 % = Note 4
unter 50 % bis einschl. 30 % = Note 5
unter 30 % bis einschl. 0 % = Note 6

Was hier anzumerken wäre, ist die Benutzung der Termini „Sehr gut“, „gut“, „befriedigend“, „ausreichend“, „mangelhaft“ und „ungenügend“. Diese Prädikate haben eine sehr persönliche Ansprache und haben nichts mit dem Bewertungsgedanken zu tun, der definiert werden sollte über vorhandene Kenntnisse oder Leistungen und nicht vorhandene Kenntnisse und/oder Leistungen. Wie schon oben beschrieben sollten eher die Leistungen oder – noch besser – die vorhandenen Fertigkeiten und Kenntnisse beurteilt werden. Dabei ist der jeweilige Ausbildungsstand zugrunde zu legen.
Dazu möchte ich auf den Katalog berufsbezogener Personenmerkmale hinweisen. In diesem Katalog werden in 19 Bereichen circa 250 standardisierte leicht verständliche Personenmerkmalen definiert. Es werden in der Regel jeweils drei Störungs- und drei Ressourcegrade auf einer Skala von -3 bis +3 beschrieben.
Im gebräuchlichen Benotungssystem wird davon ausgegangen, das die Leistung „sehr gut“ das Optimum darstellt und nicht zu übertreffen ist. Dies ist jedoch nicht angemessen. In der beruflichen Bildung ist davon auszugehen dass eine Leistung die voll erbracht wird der Standard ist. Darüber hinaus muss es aber auch eine Beurteilung geben, wenn der geforderte Standard überschritten wird, z.B. bei Unterschreitung der Zeitvorgabe. Ausprägungen von Stufe –3 bis +3 sind mit Störungen und mit Ressourcen ausgeschrieben. Wichtiger ist jedoch dass die Stufe Null der Standard ist also dass die geforderte Leistung oder Merkmalsausprägung voll erreicht wird.
Insgesamt ergeben sich damit die folgenden Ausprägungen eines Merkmals:
-3 schwere Störung
-2 mittlere Störung
-1 leichte Störung
0 keine Auffälligkeit, keine Störung, keine Ressource
+1 leichte Ressource
+2 mittlere Ressource
+3 starke Ressource

Diese Diagnosen beziehen sich überwiegend auf die Beurteilungen im Assesment Center oder in der sozialen Ausprägung.

Wenn man vom Fehlen einer Leistung – oder vom Nichtvorhandensein einer Kenntnis – von „schlecht“ spricht, ist das gleichbedeutend mit „böse“?
Dafür:
Wenn ein Schüler (Kind auch noch) nicht geübt hat, vieleicht faul war, oder die Sache nicht verstanden hat, hat es zuwenig geübt, um diesen Mangel auszugleichen oder hat nicht gefragt, um es zu verstanden. Es sollte doch wissen, dass man Übung braucht! Es hat aber nicht geübt, und das ist schlecht.
Dafür:
Das Kind kann es nicht. Natürlich nicht, es ist ja eine neue Sache, die es können muss. Damit es nicht zu anstrengend ist, geht das Kind lieber mit der Wand Fußball spielen (das andere Kind übt ja gerade).
Dagegen:
Wenn es nicht übt, dann weiß es nicht, wie man etwas üben soll, was man nicht versteht. Wenn die Rechenaufgabe verstanden würde, könnte es ja üben. Es fragt lieber nicht, um sich nicht den Vorwurf der Nichtahnung einzuhandeln: „Das verstehst du nicht?! So schwer ist das ja nicht!“ Also muss man schauen, wie man es erklärt, damit es nicht den Eindruck bekommt, es würde für faul – denkfaul – gehalten. Also ist es nicht gleichbedeutend mit „schlecht“ oder „böse“, wenn ein Kind etwas noch nicht kann oder nicht gelernt hat.
Deswegen ist ein Schüler nicht schlecht, weil er etwas nicht kann oder weiß, sondern es fehlt ihm was. Und wer ist dafür zuständig, einem Schüler etwas zu geben, was ihm fehlt?
Genau.

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