Publikumsbeschimpfung

Politikerbashing ist ja heute üblich, sieht man von Ausnahmen ab. Susanne Gaschke hat dem Pool einen Weckruf hinzugefügt: „Politiker, hört die Signale!“
Bedenklich an der Beschimpfung der Parteien, Medien und „Amigohaufen“ (sehr schön!) ist die mangelnde Teilhabe der Bevölkerung. Was sicher auch ein Grund ist, die Professionalisierung der Meinungsfindung zu verteufeln. Aber sind es nicht wir Bürger selber, die alle Möglichkeiten des Mitmachens nutzen sollten? Ist es nicht wichtig, dass wir uns einbringen in Parteien und Verbände? Die Meinungsbildung ist doch einseitig geworden: der Stimme von der Straße steht eine Mauer aus gewachsenen Strukturen gegenüber, die weder einen Bildungsanspruch noch einen Integrationskonzept hat. Als Neumitglied in Vereinen und Parteien verliert man schnell jede Motivation, sich einzubringen. Zumal heutzutage Entscheidungen eher von oben nach unten durchgestellt werden statt als Debatte zu wachsen. Dann wird auch noch von der Presse suggeriert, dass alles falsch ist, was gemacht wird. Wer will sich denn gerne an aussichtslosen Initiativen beteiligen?
Andererseits gewinnt die Freizeit an Bedeutung und die gesellschaftliche Teilhabe hat sich auf eine Vielzahl von Eigeninteressen zersplittert.

Heutzutage begrenzt sich die Aktivität nicht mehr auf den Karnevalsverein und den Ortsverein, sondern noch noch auf die Elternvertretung, die Organisation des Geigenunterrichts, der Besuch von etlichen Straßenfesten, Tagen der offenen Türen, Nächte der Currywurst und Pflege von Facebook und Konsorten. Da ist nicht mehr viel Freiraum für Mitarbeit in Parteien.
Da ist eine Projektion auf die Schuldigen in den Parteien die einfachste Möglichkeit, sich seiner Schuldgefühle zu entledigen.
Patentrezepte gibt es in der Politik auch nicht. Aber jeder sollte sich mal an die eigene Nase fassen, ob seine persönliche Teilhabe am Gesellschaftsleben den Umfang und Wirkungsgrad hat, der angemessen ist.
Am Steuer eines Kfz auf „die da oben“ zu schimpfen ist sicher eine ungenügende Beteiligung.

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