Berliner Bären – Stadtrundfahrt(en) Teil I

Seitdem sich das zugegebenermaßen oberflächliche Interesse an den Skulpturen im öffentlichen Raum zu einer Jäger und Sammler Variante entwickelt hat, setze ich mir Themen. Diesmal war das Thema Bär, insbesondere der Berliner Bär die Idee. „Frisch“ ist die Idee nicht, wie man sich am Ende anhand der Linkliste überzeugen kann. Aber! Mit dem Fahrrad!
Zuerst hatte ich den Ehrgeiz, alle 50 Bären an einem Tag abzuarbeiten. Nach der Liste von der Webseite Bildhauerei in Berlin, von der auch die meisten Beschreibungen stammen, sortierte ich die Bären nach Bezirken in eine irgendwie räumliche Reihe nach Bezirken. Die mehr oder minder sorgfältige Planung (Erkenntnis wie schon bei der Charlottenstrassen – Tour: Google Maps ist nur grob geeignet und kennt viele Strassen und Orte nicht) ergab 161 km. Rein zeitlich müsste das zu schaffen sein, aber ach! Die Ortsangaben sind teilweise sehr unpräzise, da wird man schon etwas suchen müssen. Insbesondere der Tierpark ist ja recht weitläufig. Ich bin dann trotzdem um halbsechs in der Früh losgefahren, weil Morgenstund ist noch nicht aller Tage Abend.

Zuerst der einzige (mir bekannte) Weißenseeer Bär: Kleiner Bär, 1970 er Jahre, Künstler unbekannt, Kunststein, 40 x 50 cm, im Katalog steht noch: „Studenten der KHB-Weißensee“. So früh ist noch keiner da, ich fotografiere mit Digitalzoom über den Zaun. Das muss ich noch ein mal besser machen.

Im Bezirk Pankow, Ortsteil Prenzlauer Berg gibt es die Bären vom Humannplatz: Bär von Birgit Horota, 1965-66, Bronze, irgendwann mit roter Farbe beschmiert, die aber schon weit abgenutzt ist.

und zwei Bären aus Kunststein, weiss lackiert, Künstler unbekannt, beide sitzen sich dem Spielplatz zugewandt gegenüber.

am Falkplatz, der Eisbär von Stefan Horota, Entstehungszeit unbekannt, Marmor, auch beschmiert.

die Spielenden Bären von Stefan Horota am Helmholtzplatz (habe ich im ersten Durchlauf vergessen), entstanden 1986-87, aus Sandstein, Höhe ca. 2 m. [Update] Bei meiner zweiten Rundtour war es schon spät, als ich den „Helmi“ erreichte. Er war voller Menschen und Kinder. Der Kernbereich ist für Hunde verboten und auch mit einem niedrigen Zaun abgesperrt. Man findet auf dem Platz noch weitere Skulpturen, doch dazu später mehr.

Ebenfalls von Stefan Horota an der Prenzlauer Allee, Ecke Grellstraße, Eingang Ärztehaus, Eisbärenmutter, 1988-90, weißer Marmor, hier ein Archivbild von Bernhard Südholt 2006 von der Seite auf „Bildhauerei in Berlin“.

Preußstraße, 10409 Berlin, Kita, KRA/NOL/DA (Künstlergruppe), Spielende Bären, 1960, Kunststein.

Volkspark Prenzlauer Berg, unterh. gr. Plateau, Schneeglöckchenstrasse/Sigridstraße, Bär, 1970, von Erwin Damerow, Kunststein. Auch voll bemalt, aber unbeschädigt, wenn man Schmiererei nicht als Sachbeschädigung versteht.

Friedrichshain:
Warschauer Straße, Ecke Grünberger Straße, Bär, 1987, Nikolaus Bode, Sandstein.

Kreuzberg:
Gröbenufer 2, am Eingang zum Spielplatz des Jugendfreizeitheims, Magdalena Müller-Martin, Zwei Bären, 1950 er, Kunststein, Literatur: Endlich/Wurlitzer 1990, S. 42

Lichtenberg:
Stadtpark Lichtenberg, an der Freilichtbühne , H. Weiss, Zwei Bärengruppen, um 1950, Naturstein, Literatur: Endlich/Wurlitzer 1990, S. 260. Die eine Gruppe (oberes Bild) ist beschädigt.

Treptow:
Eichenstraße 4, Bär, 1927/38, Arminius Hasemann, Muschelkalkstein, (Torplastik) Kunststein, Ensemble mit Schaffner und Schaffnerin von 1927/38

Im Tierpark-Friedrichsfelde habe ich damit gerechnet, etwas länger zu brauchen. Aber dank der Hilfe der Tierpflegerinnen und Tierpfleger habe ich alle 4 Skulpturen schnell gefunden. Der Bär am Weg zur Eisbärenanlage ist von Gerhard Liebold aus dem Jahre 1958 aus Sandstein. Nach einem Modell von Heidi Geidel. 1958 aufgestellt. Literatur: Endlich/Wurlitzer 1990, S. 268

Tierpark-Friedrichsfelde, an der Uhu-Voliere, Bronze, Literatur: Endlich/Wurlitzer 1990, S. 268

Tierpark-Friedrichsfelde, im Kinder-Zoo neben der Wellensittich-Voliere, Gerhard Thieme, Sitzender Bär, 1988, Bronze. Aufgestellt 1988. Endlich/Wurlitzer 1990, S. 265

Tierpark-Friedrichsfelde, am Rande des Kinderspielplatzes, Georg Wrba, Bär, um 1910, Bronze. Einst im Stadthaus an der Klosterstraße vor dem Bärensaal aufgestellt. 1955 dem Tierpark übergeben. Endlich/Wurlitzer 1990, S. 265 f.

Üderseestraße, Ecke Traberweg, Bär, Entstehungszeit unbekannt, Künstler unbekannt,, Spielplatz, Kunststein.

Roßmäßlerstraße, Neben dem Spielplatz, Bär, Entstehungszeit unbekannt, Künstler unbekannt, Kunststein.

Köpenick:
Park An der Wuhlheide am Haus Natur und Umwelt, Bär auf der Kugel, 1904. August Gaul, Bronze, Epoche: Kaiserreich. Aufgestellt 1966.
Der große Bär gehörte ursprünglich zu der Brunnenanlage in der Vorhalle des berühmten Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz. Während das Brunnenbecken und der Pfeiler aus Stein mit der Architektur verloren gingen, blieben die Bronzeteile erhalten. (Die Gruppe der zwei kleinenr Bären befinden sich im Museum in Großauheim/Hanau). Durch den Auftrag Adolf Messels, dem Architekten des Kaufhauses, erhielt Gaul erstmals die Möglichkeit, seine Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren. (Ursel Berger).

Auf der Suche nach dem Kugelbär von August Gaul bin ich auf diese Kugeleisbären gestossen. Leider habe ich mir nicht noch die Zeit genommen, nachzuforschen, von wem diese schöne Skulptur stammt. Jedenfalls stimmt hier alles, im Gegensatz zu hier und hier.

Neukölln:
Landschaftspark Rudow-Altglienicke, auf dem Mittelstreifen der A 113, kurz vor dem Tunnel Altglienicke an der Landesgrenze Berlin-Brandenburg, stehender Bär, Stein, ca. 1,60 m, ein Abguss des Modells von Dreilinden von Renée Sintenis. (Artikel in der Berliner Morgenpost)

Tempelhof:
Mariendorfer Damm 115, im Park vor der Kindertagesstätte, Albert Kraemer, Zwei Bären, 1952/53, Muschelkalkstein, Höhe ca. 1,70 m.

Volkspark Mariendorf, nordwestl. Spielplatz (Tempelhofer Damm, Prühsstraße), Bär, Spielplastik, 1966, Hans Bautz, Muschelkalkstein, H. ca. 1,10 m, Literatur: Damus/Rogge 1979, S. 190 (Mitte links), Endlich/Wurlitzer 1990, S. 145

Marienhöher Weg 10, Gelände der Kindertagesstätte, Paul Kentsch, Zwei spielende Bären, 1955, Beton, H. 1 m.

Zehlendorf:
Martin-Buber-Straße, Hugo Lederer, Säugende Bärin, 1929, vor Finanzamt Zehlendorf, Granit auf Betonsockel, Gesamthöhe 1,60 m, Aufgestellt 1971, ursprünglich für das benachbarte Rathaus geschaffen. Literatur: Damus/Rogge 1979, S. 188 (datiert 1928), Endlich/Wurlitzer 1990, S. 224.

Avus-Kleeblatt, auf dem Mittelstreifen der Autobahn, südlich des ehem. Kontrollpunkts Dreilinden, Renée Sintenis, Berliner Bär, 1957, Bronze, H. 160 cm, auf Granitsockel, Gesamthöhe ca. 3,50 m, Guss: Noack, Ein weiterer Guss in Düsseldorf, Ernst-Reuter-Platz., Damus/Rogge 1979, S. 8-9 und 120, Begleitheft Ehmann 1988, S. 51, Buhlmann WV Nr. 225. Noch ein Guss an der A 113 hinter dem Tunnel Glienicke Stadtgrenze stadteinwärts.

Steglitz:
Park am Fichtenberg, heute Ruth-Andreas-Friedrich-Park auf dem Spielplatz , Karl Wenke, Trinkbrunnen mit Bär, 1949-50, Travertin, Gesamthöhe 1,30 m, ausser Betrieb, Literatur: Damus/Rogge 1979, S. 216 (Abb. unten rechts), Begleitheft Ehmann 1988, S. 49.

Treitschkestraße, Grünanlage, Rose-Maria Stiller, Bär, 1954, Muschelkalkstein, H. 1 m, Literatur: Damus/Rogge 1979, S. 186, Begleitheft Ehmann 1988, S. 50, Endlich/Wurlitzer 1990, S. 132. Der Treitschkepark ist aufgrund der Bauarbeiten am ehemaligen Wertheim Kaufhaus zur Hälfte gesperrt und auch schon ziemlich zerstört. Die beiden Frösche am Bassin und der Bär sollen in den nächsten Tagen geborgen werden. Jedenfalls finden die Baumaßnahmen ohne die erforderlichen und vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen an der Vegetation statt.

Schöneberg:
Grazer Damm 173-191, Tordurchgang, Zwei Bären, Entstehungszeit unbekannt, Künstler unbekannt, Kunststein.

Wilmersdorf:
Fehrbelliner Platz 4, Rathaus Charlottenburg-Wilmersdorf im Innenhof links an der Seite, Hildebert Kliem, Berliner Bär, 1967-88, Bronze, H. 85 cm, ein Abguss gestiftet von einer Großbank. Das Original steht in Reykjavik. Wem der Bär in Rio de Janeiro und auf Helgoland begegnet, muss sich nicht wundern: auch dort stehen Abgüsse.

Charlottenburg:
Fasanenstraße 25, Skulpturengarten Villa Grisebach, Volkmar Oellermann, Großer stehender Bär, 1991, Bronze, H. 110 cm, Epoche: Gegenwart Bezirk: Charlottenburg, Bezeichnet am rechten Fuss (innen): „VO“. Giesserstempel: „W Füssel Berlin“. Eins von (bisher) 2 Exemplaren. Nicht mehr vorhanden – verkauft.

Siedlung Siemensstadt zwischen Rohrdamm und Rapsstraße, Wilhelm von Winterfeld, Spielende Bärenkinder, 1929, Bronze.

Jungfernheide, Berliner Bären von Otto Wennemann, Porphyr-Pflastersteine in Beton.


Mitte:
Französische Straße, Ecke Werderscher Markt, Hugo Lederer, Bärenbrunnen, 1928, Porphyr, H. 165 cm, Epoche: Weimarer Republik Bezirk: Mitte

Immerhin habe ich am ersten Tag 29 Bären in 140 Kilometern geschafft. Es war interessant und lehrreich. Dank an die vielen Informanten, speziell in der Wuhlheide und an den Sicherheitsdienst an der Baustelle am Treitschkepark. Die restlichen Bären folgen noch in der nächsten Woche.

[edit] Die Links:
Berliner Bären-Stadtrundfahrt – Teil II
Berliner Bären-Stadtrundfahrt – Teil III
Berliner Bärenfreunde e.V.
Berliner Bär

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